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Sehtraining bei Amblyopie

griech.: amblyopia = "stumpfes Auge", im Englischen "lazy eye" (faules oder träges Auge)

Amblyopie ist das Ergebnis einer gestörten Entwicklung des Sehvermögens (im ersten halben Lebensjahrzehnt) trotz funktionierender organischer Vorraussetzungen.

Die Häufigkeit wird mit ca. 5 % (!) angegeben

Die Therapie hat das beste Kosten/Nutzenprofil in der gesamten Augenheilkunde (da die verbesserte Sehleistung ein ganzes Menschenleben zur Verfügung steht!)

Therapie: Ob nun Schielen oder Fehlsichtigkeit der Auslöser ist: Am Anfang steht die exakte Kinderbrille. Diese soll klein und leicht sein, soll nicht an der Nase herabrutschen (Breiter Nasensteg, Sportbügel um die Ohren) und nicht an den oft langen Wimpern der Kinder ankommen.

Um Sie zu finden, müssen die Kinder mit Cyclopentolat, Homatropin oder Atropin eingetropft werden (brennt kurz ein wenig) um den Naheinstellreflex der Linse zu hemmen. Über ein aus dem Auge reflektiertes Licht wird die objektive Brechkraft des Auges bestimmt (Skiaskopie). Diese Brechkraft ändert sich durch das Augenwachstum bei Kindern mitunter sehr rasch, weshalb 1/2 jährliche Kontrollen nötig sind.

Besteht weiterhin eine Amblyopie, wird das bessere Auge mittels Pflaster am Gesicht oder auf der Brille (wenn das Kind nicht drüberschaut) abgeklebt, um das schwächere Auge zu trainieren. Die Dauer der Behandlung kann variabel vorgeschrieben werden: Sie reicht von Alter des Kindes in Tagen mit anschließend einem Tag offen (oder das andere Auge zu), dann Beginn von vorne, bis zu einmal täglich einer Stunde bei Sehanforderung (Hausaufgaben). Die Sehentwicklung wird dann alle paar Monate (2-3) geprüft. Das ist die sogenannte Okklusionsbehandlung. Neuere Studien deuten darauf hin, dass wenige Stunden (4-6) konsequenten Abklebens pro Tag über einen Zeitraum von 3 Monaten bereits ausreichend sind. Eine Erhaltungstherapie ist allerdings meist nötig (1 h pro Tag, später pro Woche). Das Kriterium des Erfolges ist der rechtzeitige Beginn und die tatsächliche Zeit des Abdeckens, die gerade bei protestierenden Kindern gewöhnlich massiv überschätzt wird (laut Studien mit speziellen Pflastern, die die Zeit der Wärmeeinwirkung von der Haut messen konnten). Das Wichtigste ist die Verhinderung einer Amblyopie durch konsequente Untersuchung der Kinder!

Manchmal gibt es zusätzliche Fixationsübungen (zB. im Telefonbuch alle 8er einkreisen oder ausmalen. Das muss allerdings von der Betreuungsperson genau überwacht werden, damit das Kind nicht trainiert daneben zu schauen!)

Neben den entsprechend spezialisierten Augenärzten und -innen sind die nichtärztlichen Fachleute für diese Therapien die sogenannten "Orthoptistinnen".


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Oberarzt Dr. med. univ. Jörg Hildebrandt | j.hildebrandt@telering.at