Alles nur "Placebo"???

Arzneifläschchen mit verschiedensten Mitteln

2005 hat eine sogenannte "Metaanalyse" im renommierten Wissenschaftsjournal Lancet die homöopathische Welt mit der Aussage in Aufruhr versetzt, dass die homöopathische Therapie nicht besser als Placebo sei, obwohl wenige Jahre zuvor eine ebendort erschienene Metaanalyse das Gegenteil gezeigt hatte. Hier einige sehr kurz gehaltene Stellungnahmen dazu:

1) Die Analyse hat 110 homöopathische Studien mit Placebokontrolle gegen 110 schulmedizinische Studien mit Placebokontrolle verglichen und kam zu den Ergebnissen, dass die statistische Qualität bei den homöopathischen besser als bei den anderen war und beide gegen Placebo GLEICH GUT abschnitten.

Es wurde die durch nichts zu untermauernde Hypothese aufgestellt, dass Studien mit sehr vielen Teilnehmern teuer sind und daher auch publiziert werden, wenn das Ergebnis nicht die Ansicht des Autors unterstützt. (Diese Studien werden allerdings meistens von Pharmafirmen bezahlt, denen es im Gegenteil oft billiger kommt Studien nicht zu publizieren...).

Es wurden daher 6 gegen 8 Studien (wieso nicht die gleiche Anzahl???) verglichen, deren Auswahlkriterien und Titel nicht publiziert wurden: Das sind zwei massive Verstöße gegen die Grundlage jeglichen wissenschaftlichen Denkens (!) und brachte Lancet von schulmedizinischer Seite (!) in Leserbriefen veröffentlichte heftigste Kritik wegen tendenziösen Verhaltens ein. Jede schulmedizinische Analyse dieser Art wäre abgeschmettert worden.

2) Wenn man die letztlich verwendeten "homöopathischen" Studien bei den Autoren erfragt, sieht man, dass es sich dabei teilweise um Prophylaxe Studien mit z.T. schwachen oder nicht ausreichend geprüften Mitteln handelt (mit vielen Teilnehmern, weil "homöopathische" Großhersteller dahinter standen). Prophylaxe einer Grippe mit Oscillococcinum (wird in Frankreich bei Schnupfen so hysterisch eingeworfen, wie bei uns Aspirin und in Japan Tamiflu, die beiden letzteren allerdings mit mehr Nebenwirkungen) hat nichts mit den Grundlagen homöopathischen Denkens zu tun, denn ein Mittel kann nur aufgrund der individuellen Symptome gefunden werden.

FAZIT: Diese Metaanalyse sagt NICHTS über die Wirksamkeit von KLASSISCHER Homöopathie aus.

WAS WÄRE DENN WENN Homöopathie nur Placebo wäre? Dann wäre das in erster Linie enttäuschend für uns Homöopathen, weil wir dann nicht Jahre mit viel Geld und Kraft und Engagement in die Erlernung der Methode hätten investieren brauchen. Dem Patienten ist es ja egal wodurch er/sie geheilt wird, und wenn es nur die persönliche Ausstrahlung des Arztes ist.

Leider ist es nicht so einfach: Denn jeder von uns Homöopathen hat gelegentlich erlebt, dass ein hoch motivierter Patient das erste Mittel von uns bekommt, nicht reagiert, gnadenhalber uns noch einen Versuch gönnt, der dann mit einem anderen Mittel seine Krankheit heilt oder sogar sein Leben positiv verändert.

Oder die Behandlung von Tieren, wo die Besitzer schon viel Geld und Hoffnung in schulmedizinische Therapie gesteckt haben, und die einmalige Gabe einiger Globuli (ob mit oder ohne Bezahlung) plötzlich eine heilende Reaktion beim Tier hervorruft. Da habe ich persönlich große Schwierigkeiten an Placebo zu glauben, auch wenn das meine Arbeit einfacher machen würde...(Placebowirkung ist natürlich bei JEDER Therapieform ein bißchen mit dabei, ganz massiv auch bei Operationen...)

Wichtig ist mir zum Abschluss:

Homöopathie hat nichts mit "daran glauben oder nicht daran glauben" zu tun! In Glaubensfragen bitte an die Kirche, die Moschee oder die Synagoge, Tempel etc. wenden.

Entweder sie wirkt oder nicht. "Ungläubige" werden nur immer andere Ursachen für ihre Heilung suchen und finden (im phantasielosesten Fall "Spontanheilung") und daher der homöopathischen Methode nicht bis zu ihrer wirklichen Ausheilung treu bleiben.

Die Methode wird das auch weitere 200 Jahre überleben, wir Homöopathen und Homöopathinnen im Einzelfall nicht ganz so lange, aber insgesamt wohl auch!

PS1: Die erste placebokontrollierte Studie überhaupt war übrigens eine homöopathische!

PS2: Homöopathisch ausgebildete Kassenärzte weisen 40% niedrigere Medikamentenkosten bei ihren Patienten auf!

PS3: Da Homöopathie eine Therapie der Person mit ihren Erkrankungen und nicht einer einzelnen Krankheit ist, ist es methodisch genauso schwierig Homöopathie mit schulmedizinischen Maßstäben zu testen, wie es umgekehrt bei pharmazeutischen Medikamenten und homöopathischen Methoden ein Disaster wäre...



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Oberarzt Dr. med. univ. Jörg Hildebrandt |j.hildebrandt@telering.at