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Der "Genuine" Weg: Bönninghausen

Bönninghausen (1785 - 1864) generalisiert die Prüfungssymptome. Wenn ein Mittel stechende Schmerzen an Fuß und Bauch und Hals in der Prüfung hervorruft, kann es bei ausreichender Zahl an Prüflingen vermutlich auch Stechen an der Hand hervorrufen, also kommt es in frage, wenn der Patient stechende Schmerzen angibt.

Besonders wichtig sind die Modalitäten, das heißt: wodurch läßt sich das Krankheits- oder Prüfungssymptom beeinflussen? Beispiel Acanthaster (eigene Prüfung):

< durch Vornüberbeugen, Bücken, Krummsitzen: Hitzewallungen , Zahnschmerzen , Schmerzen im Steißbein, Kopfschmerzen, Augenschmerzen: insgesamt 5 Prüfer, also jeder dritte. Das heißt man müßte es bei Bönninghausens Therapeutischem Taschenbuch (seinem Repertorium) im 2 Grad bei Verschlimmerung beim Bücken eintragen, da es häufig in der Prüfung vorkam. Wenn dieses Symptom dann heilte, kommt es in den 3. Grad, heilte es oft, in den 4. Auch Sepia, ebenfalls ein Meerestier und das wohl am häufigsten verwendete (neben der Austernschale Calcium carbonicum), steht hier im 4. Grad drinnen, in der Rubrik Besserung durch Bücken nicht. Ein anderes häfiges Mittel, Lycopodium, steht bei der Verschlimmerung 1wertig, kann aber nicht genommen werden, da es bei der Besserung 2 wertig, also höher vorkommt. Damit fällt es bei eindeutiger Verschlechterung durch Bücken raus.

In der Wertung der Symptome steht der Auslöser an oberster Stelle, gefolgt, aber mitunter auch geschlagen von den Modalitäten. War der Auslöser des Leidens Kälte, die aber inzwischen die Beschwerden bessert (Beispielsweise eine tatsächliche Er-kältung, die zu hohem Fieber führte, bei dem Kälte nun angenehm ist), dann gilt Besserung durch Kälte als wichtigstes Symptom. Die momentane Hauptbeschwerde steht hier der Gesamtheit der Symptome voran.

Der besondere Wert dieser Methode liegt bei der hohen Zuverlässigkeit der Einträge (bei sehr beschränkter Mittelzahl (133)) und bei akuten Krankheiten mit deutlichen Modalitäten oder bei der Behandlung von Tieren.


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Oberarzt Dr. med. univ. Jörg Hildebrandt |j.hildebrandt@telering.at